Wenig Selbstwertgefühl - viele Selbstzweifel? Der Weg von SelbstBEWERTUNG zu SelbstANNAHME

Wie es in uns aussieht, zeigen wir nicht gerne nach außen. Wenn uns Selbstzweifel zerfressen und wir uns unsicher, ungeliebt und unzulänglich fühlen, ziehen wir uns gerne zurück, damit es keiner mitbekommt. Leichter ist es, anderen gute Tipps zu geben, wie sie ihr Selbstwertgefühl, ihr Selbstbewusstsein und ihre Selbstsicherheit stärken können. Andere, die es eigentlich ja gar nicht nötig haben. Denken wir uns. Aber auch sie tragen ihren Kummer meist nicht nach draußen, igeln sich ein, wenn's ihnen so richtig schlecht geht... Was wir sehen können, ist oft nur die Rolle, die gespielt wird, damit der Alltag funktioniert.

 

Wie sieht es also nun bei mir selbst aus?

 

Wenn ich mich mit dem Thema Selbstsicherheit beschäftige, begegnen mir Fragen wie:

  • Wann bin ich selbstsicher?
  • Unter welchen Bedingungen fühle ich mich stark?
  • In welchen Situationen glaube ich, der Welt gewachsen zu sein?
  • Wann glaube ich, dass mich nichts umhauen kann?
  • Wovon hängt mein Selbstwertgefühl ab?
  • Warum ist es nicht wie ein Mantel, den ich mir bei Bedarf überhängen kann?
  • Warum ist es keine „konstante“ Größe?

 

Die Analyse der Antwort auf diese Fragen lässt sich auf folgenden Zusammenhang einschrumpfen: Am Ende steht der Schluss, dass meine „innere“ SICHERHEIT, meine „Selbstsicherheit“, mit den „äußeren“ KONSTELLATIONEN zusammenhängt. D.h., wenn ich die Bedingungen in meinem Umfeld als positiv erlebe und bewerte, fühle ich mich sicher. Wenn ich ein Lob bekommen habe, wenn andere stolz auf mich sind, mich bewundern, warum auch immer.... wenn ich also einen Erfolg verzeichnen kann, was immer das heißt, dann wachse ich und fühle mich sicher und richtig.... Das ist natürlich schön, wenn mir alle wohlgesonnen sind und ich einen sicheren Platz im Leben gefunden habe... einerseits. Andererseits gibt es natürlich Situationen, in denen ich an mir zweifle, in denen ich denke, dass ich nichts auf die Reihe kriege, in denen ich einfach alles hinschmeißen oder aufgeben möchte. Dazu fällt mir der Spruch ein, der an der Bürotür meiner Kollegin hängt:

 

„ICH SCHMEISS ALLES HIN UND WERD PRINZESSIN!!!“

 

Vielleicht ist das ja eine Alternative. Aber wenn nicht???

 

Auch hier stelle ich fest, dass mein Befinden in unangenehmen Situationen wieder extern gesteuert wird. Gelingt mir beispielsweise eine Sache nicht, ernte ich möglicherweise Geringschätzung, Missbilligung, Abwertung oder Wut vom Gegenüber, was wiederum bei mir negative Gefühle auslöst, allem voran schrumpft mein Selbstwert gegen Null!

 

Somit lasse ich auch mein Energieniveau und meine Motivation von außen bestimmen.... Ich habe die Macht, über mein Leben, über meine Einstellung zu mir und zu dem, was mich ausmacht, zu bestimmen, nach außen delegiert! Was für eine Erkenntnis!

 

Ich fühle mich manchmal wie ein bereits fertiger Bausatz, bei dem alle Einzelteile schon unwillig und teilnahmslos daliegen. Irgendwann legt der Handwerker los. Ich jedoch weiß nicht, was dabei herauskommen soll. Ich fühle mich ausgeliefert und weiß, dass ich keinen Einfluss nehmen kann, denn alles scheint vorgegeben, so dass weder Kreativität, Flexibilität noch eine Richtungsänderung möglich ist. Manchmal scheint der Handwerker auch noch die Bauanleitung verschmissen zu haben....

 

 

Wie kann ich denn nun wieder das Kommando übernehmen? Wie schaffe ich es, wieder Akteur zu werden, aktiv und voller Freude an meinem Leben zu basteln und zu bauen, den Mut zu haben und mir das Recht zu nehmen, durch Versuch und Irrtum zu lernen statt zu verzweifeln und mich frustriert zurückzuziehen?

 

 

Allein das Wort SelbstWERT lässt schon erahnen, dass die Festlegung meines Wertes etwas mit Vergleichen und BEwerten zu tun hat. Den Wert von materiellen Gütern wie Grundstücken, Schmuck, Immobilien, Autos etc. kann ich festlegen, in dem ich ähnliche Güter vergleiche und nach bestimmten Kriterien ihren Wert einordne und schließlich festlege. Doch nach welchen Kriterien sollte ich meinen Wert bestimmen? Danach, welchen Beruf ich ausübe? Danach, wie viel oder wenig Geld sich gerade auf meinem Konto befindet? Danach, ob ich viele oder wenige Freunde habe? Danach, ob ich gesund oder krank bin? Danach, ob ich dick oder dünn bin, groß oder klein, jung oder alt, zufrieden oder unglücklich??? An dieser Stelle sollten wir uns klar werden, dass solche äußeren wie auch immer gearteten Merkmale NIEMALS den Wert eines Menschen bestimmen können, sondern alle Menschen im Kern von Natur aus, aufgrund ihrer Einzigartigkeit den gleichen WERT besitzen. Was wir daraus machen, in dem wir uns selbst oder uns gegenseitig auf- oder abwerten, beeinflusst die Wahrnehmung unseres Wertes und verfälscht ihn auf eine künstliche Art und Weise.

 

Wie können wir uns nun von der Abhängigkeit von externen Bewertungen lösen und diesem in uns wohnenden WERT mehr Vertrauen und Glauben schenken, so dass er zur Gewissheit heranwachsen kann? Wie können wir ihn in unser alltägliches Bewusstsein einpflanzen und diese zarte Pflanze nähren?

 

Die Voraussetzung, dass dies gelingen kann, müssen wir in uns selbst schaffen, in dem wir uns selbst annehmen, und zwar mit unserer ganzen Vergangenheit, mit unseren erlittenen Verletzungen, mit allen freudvollen, „edlen“ und ungeliebten Gefühlen, mit unseren Stimmungsschwankungen, mit unseren schönen und unschönen Erlebnissen, mit allen Ecken und Kanten, Hochs und Tiefs, Erfolgen und Misserfolgen, die unsere Persönlichkeit so einzigartig machen.

 

1. Um uns so annehmen zu können wie wir sind, ist es hilfreich, unsere hohen Ansprüche in Bezug darauf, wie wir von anderen gesehen werden wollen, herabzuschrauben. Dies schützt uns vor Überforderung, nimmt den Druck und lässt uns ruhiger und entspannter werden:

  • Ich muss nicht perfekt sein! Ich habe das Recht darauf, durch Fehler zu lernen!
  • Ich muss nicht von allen geliebt und anerkannt werden!
  • Ich muss es niemandem Recht machen, ich lebe selbstbestimmt und trage die Verantwortung für mich und mein Handeln
  • Ich darf auch „Nein“ sagen und widersprechen
  • Ich darf die ganze Bandbreite meiner Gefühle zeigen
  • Ich muss niemandem zeigen, wie toll mein Leben ist! Es muss nicht immer leicht sein und ich kann auch Unangenehmes aushalten!
  • Ich verfüge über zahlreiche Fähigkeiten und Talente, die meine Individualität ausmachen
  • Ich sorge für mich, in dem ich mir erlaube, authentisch und echt sein zu dürfen

 

2. Uns anzunehmen, bedeutet auch, sorgsam und respektvoll mit uns umzugehen. Wie oft kommt es vor, dass wir schlecht über uns selbst „reden“, was oft auch nur in Gedanken geschieht, aber dennoch an unser Unterbewusstsein andockt. Statt Selbstannahme zu üben, ertappen  wir uns bei Selbstverurteilungen, Selbstvorwürfen, Beschimpfungen wie z.B.

„Wie kann man nur auf so was reinfallen!“

„Wieder typisch! Das kann ja nur mir passieren!“

„Ich Vollidiot!“

„Ich Tollpatsch!“

usw...

 

Stattdessen sollten wir mit uns reden wie mit einem guten Freund, der zwar nicht perfekt ist, aber es trotzdem gut mit uns meint. Dafür müssen wir sensibel werden für Äußerungen, die wir an uns richten und dabei sehr gut auf die Wortwahl achten. Vor allem müssen wir lernen, bei der Beurteilung zwischen unserem Verhalten und uns als Person zu unterscheiden. Denn unser Verhalten mag manchmal fehlerhaft sein, aber unser Wert an sich wird dadurch nicht angetastet.

 

3. Ein Perspektivenwechsel kann hilfreich sein, um gnädiger mit sich umzugehen und die eigenen Macken oder Fehler zu relativieren: Wie verhalten Sie sich, wenn ein guter Freund etwas Falsches, etwas Peinliches macht, wenn er seinen Job oder die Ehefrau verliert? Wenn er durch eine Prüfung fällt oder vom Chef schräg angeredet wird, weil er einen Auftrag vergessen hat? Wie schwer wiegt dann der „Fehler“, wenn nicht Sie ihn begangen haben?

Nehmen Sie Abstand zu sich!

 

Seien Sie gnädig und nachsichtig mit sich selbst. Geben Sie sich Tipps, wie Sie es das nächste Mal besser machen können, trösten Sie sich, machen Sie sich Mut – machen Sie all das, was Sie für Ihren Freund tun würden...